Anfängergeist

Ein zentraler Begriff im japanischen Zen-Buddhismus, eine grundsätzliche Haltung dort, ist es genauso für uns und die tantrische Praxis. Also mitentscheidend für unsere Annäherung an die Tantra Massage und ihre Bewährung als fortgesetzte existenzielle Erfahrung:

 

Anfängergeist!

 

Es geht um extreme Aufnahmebereitschaft und völlige Vorurteilsfreiheit, die den Zugang zu neuen, existenziellen Erfahrungen ermöglichen. Eine geistige „Leere“ als Grundlage dafür und für die im wortreichen Buddhismus auch das Gleichnis von der leeren Teetasse kursiert.

 

Anfängergeist ist eine offene Haltung, die unvoreingenommene Neugier voraussetzt. Und die Bereitschaft, noch Fremdes kennen zu lernen ohne sich dabei durch Vorwissen und Bewertungen einschränken zu lassen.

 

Kinder besitzen diese Fähigkeit noch natürlicherweise. Jedem Moment schenken sie mit voller Neugier ihre offene Aufmerksamkeit und lernen so sehr schnell dazu.
Bei uns dagegen gibt es meist schon eine Erwartungshaltung, die zukünftige Erfahrungen beschränkt oder gar verhindert.

 

Der japanische Zen-Mönch Shunryu Suzuki formulierte:
„In einem Anfängergeist existieren unzählige Möglichkeiten, im Geist eines Experten nur wenige.“

 

Vorstellungen von Dingen, wie sie zu sein haben, starre Muster, Glaubenssätze und andere Vorurteile verstellen unseren Zugang zum Neuen. Durch unseren Glauben über etwas Bescheid zu wissen, machen wir einen offenen Verlauf von Geschehnissen schwierig. Und auch seinen Genuss.

 

Lernen und uns entwickeln können wir nur als Anfänger, mit leerem Geist und Nichtwissen. Also vollkommen aufnahmebereit.

 

Anfängergeist ist nicht nur notwendig für das Überschreiten von Schwellen zum Neuen, Unbekannten hin. Nicht nur wesentlich für die Annäherung an die Tantra Massage. Sondern auch und gerade für die fortgesetzte Praxis.

 

Im Rahmen der Ausbildung und deren Fortführung beobachte ich, dass sich manchmal Routinen und so etwas wie Langeweile einschleichen. Die den Spaß an der eigenen Erforschung und Weiterentwicklung hemmen und dominieren. Manchmal verlieren dann MasseurInnen so ihr Interesse an der Massage, wechseln rein mechanisch auf der Suche nach Neuem auf andere Gebiete. Das hat damit zu tun, dass der Anfängergeist inzwischen verloschen ist, der eigentlich dafür sorgen könnte, auch die Intensität des Bestehenden zu erfahren.
So aber kann keine Tiefe erlangt werden. Und wird verpasst, die Tantra Massage immer tiefer zu erforschen, zu entdecken und auszukosten. Aber auch immer wieder neu!

 

Das heißt auch: Es geht nicht um die Suche nach Neuem als Selbstzweck.
Mit Anfängergeist werden nicht nur die anfänglichen Schwellen und Hemmungen überwunden.
Sondern er feit auch gegen oberflächlich bleibende Routine.

 

Diese unschuldige und wertfreie Haltung ermöglicht uns neue Erkenntnisse und Sichtweisen und wir können wieder das Anfangen, Entdecken, Ausprobieren, Lernen, Scheitern und Weitergehen im Hier und Jetzt genießen.

 

Und so soll hier auch eine Lanze gebrochen sein für etwas, dessen deutsche Bezeichnung im heutigen Alltag in eher abschätziger Tonlage fällt, aber eigentlich genau richtig klingt:

 

ANFÄNGERGLÜCK – Das wünsche ich uns allen!